Christian Rohrbach

Dirigent ⋅ Countertenor ⋅ Liedpianist

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J. S. Bach: Johannespassion BWV 245

Kaum ein Werk hat Johann Sebastian Bach über einen solch langen Zeitraum beschäftigt wie die Passion nach dem Evangelisten Johannes. Zu Lebzeiten sind im Zeitraum von 1724 bis 1749 mindestens vier Aufführungen nachweisbar – jedemal in anderer Gestalt, teils mit tiefgreifenden Änderungen in der Struktur des Stückes wie auch im Detail.

Unermüdlich feilt der Schöpfer an seinem Opus, ergänzt Sätze, verwirft sie wieder, überarbeitet Instrumentation und Stimmführungen, schärft den Charakter und die Dramaturgie. Intensive Auseinandersetzung mit dem Text und der Theologie der Passion, ja geradezu ein Ringen um die musikalische Gestalt. Eine Fassung von letzter Hand wie bei der Matthäuspassion existiert nicht.

Doch mit der Johannespassion haben wir ein klug gebautes, fein ausbalanciertes Oratorium von höchster musiktheatralischer Intensität, das Stoff für eine Oper bietet: eine packende Schilderung des Passionsgeschehens durch den Evangelisten, mitreißende, wilde Chöre voller schroffer Dissonanzen und Dramatik, expressive und innige Solo-Arien, die zum Reflektieren über das Erlebte einladen.

Und das schönste: in den tief empfundenen Chorälen schwingt stets die Stimme der damaligen Gemeinde nach, die uns Heutige – Musizierende wie Hörende – immer wieder aufs Neue trifft und berührt.